Der Kampf um die Ausrichtung von Religionsunterricht und Gemeindekatechese

Festvortrag von Dr. François Reckinger bei der Buchpräsentation von Weihbischof Laun in Salzburg am 19. Oktober 2009 anlässlich des 20jährigen Bestehens des Arbeitskreises Theologie und Katechese e.V.

„ATK“ ist die Abkürzung für den „Arbeitskreis Theologie und Katechese“, an dessen Gründung Ende 1989 ich entscheidend beteiligt war. Über die Zielsetzung und das Wirken dieses Kreises will ich kurz berichten und dabei auch auf unsere Zusammenarbeit mit Herrn Weihbischof Laun in Bezug auf sein eben zur Vollendung gelangtes Religionsbuch eingehen.

Von 1986-1992 war ich als Referent für Fragen der Glaubenslehre im Erzbistum Köln tätig. Ende 1986 veranlasste mich die besorgte Anfrage mehrerer Lehrerinnen, mir einige der damals neu in Umlauf gekommenen Religionsbücher anzusehen. Ich erkannte sehr schnell, dass die betreffenden Damen Recht hatten mit ihrer Überzeugung, diese Bücher nicht guten Gewissens benutzen zu können.

Zu den damals untersuchten Büchern

Es handelte sich u. a. um die beiden ersten Bände des Religionsbuches von Hubertus Halbfas, die wenige Jahre davor erschienen waren. In seiner „Fundamentalkatechetik“ von 1968 hatte dieser Autor nicht nur jegliches wirkliche Wunder bestritten, sondern sich auch zu einem pantheistisch verbrämten Atheismus bekannt: „‚Gott an sich‘ gibt es nicht. Gott ist der Grund allen Seins. Es gibt kein Ding, … kein Ereignis, kurz: keine Wirklichkeit, in der er nicht begegnen könnte … Von Gott sprechen heißt, von dieser Welt und dem eigenen Leben sprechen“ (198f; 207).

Wenigstens jene, die das wussten, konnten spätestens im Band für das zweite Schuljahr die genannte Position erkennen, wenn es da heißt, „zu Tisch beten“ bestünde darin, zu sehen, was da steht; es sich schmecken zu lassen; denen zu danken, die das Mahl bereitet haben. Und dann wörtlich: „Dies alles … fassen wir zusammen, wenn wir ‚Gott‘ sagen“ (54). Wegen derartiger Ansichten war dem Autor bereits Ende der sechziger Jahre die kirchliche Lehrbefugnis entzogen worden. Es ist unbegreiflich, dass er dennoch seither, all die Jahrzehnte hindurch, sein Religionsbuch als Bestseller verbreiten und durch Vorträge in den Diözesen Generationen von Religionslehrern prägen durfte.

Den geschichtlichen Ereignissen an dieser Stelle etwas vorgreifend kann ich berichten, dass wir, meine Mitarbeiter und ich, nach Gründung des ATK, die weiteren Bände des Halbfas-Buches kurz nach ihrem Erscheinen untersucht und eine Gesamtstellungnahme dazu erstellt haben. Beim letzten Band allerdings konnten wir uns die entsprechende Mühe ersparen, weil dazu eine Rezension von Prof. Manfred Hauke in Forum Katholische Theologie 1993 (75-78) uns zuvorgekommen ist, aus der wir dann nur zu zitieren brauchten. Auch er hat in diesem letzten Band dieselbe pantheistische Einstellung des Autors diagnostiziert wie wir in den vorhergehenden Bänden. Hauke beschließt seine Rezension auf eine in wissenschaftlichen Zeitschriften unübliche Weise: mit einem Hinweis auf das Wort Jesu bei Mk 9, 42: „Wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ Aber auch das hat nichts gefruchtet. (S. dazu unsere Stellungnahme 1.06).

Zu den von mir Ende der achtziger Jahre untersuchten Religionsbüchern gehörten auch die beiden ersten von den drei Bänden der Reihe: Religion – Sekundarstufe I (mit den Einzeltiteln: Zeit der Freude; Wege des Glaubens; Zeichen der Hoffnung), für die Werner Trutwin und zwei weitere Autoren verantwortlich zeichneten (1987; 1988; 1989). Inzwischen gibt es davon eine Neuausgabe von 2005. Das hier von den Anfängen des ATK zu Berichtende bezieht sich naturgemäß auf die damals vorliegende Ausgabe, die auch ihrerseits schon eine Neuausgabe darstellte.

Hier scheint Gott sehr wohl als personal im Sinn des Christentums verstanden zu werden. Aber nahezu alles andere wird weggedeutet, insbesondere die Wunder, einschließlich der angeblich als „nichtbiologisch“ zu verstehenden Jungfrauengeburt und der Auferstehung Jesu. Von den Wundern insgesamt heißt es, sie seien entweder „ganz alltägliche Ereignisse“ oder aber „ganz wunderbare Ereignisse“, d. h. „Dinge, die sonst in unserem Leben nicht so leicht vorkommen“. Die davon berichtenden „Geschichten wollen unser Herz ansprechen … Wenn im Mittelpunkt solcher Geschichten ein Heiliger steht, nennen wir sie ‚Legenden‘“ (I, 140f). Damit werden alle Wunderberichte ins Legendäre verwiesen. Vernunftgemäße historische Kritik dagegen unterscheidet gerade zwischen Legenden einerseits und glaubwürdigen Berichten andererseits, bei Wundern genau wie bei anderen Ereignissen.

Dass die Wunderberichte der Evangelien im Wesentlichen historisch glaubwürdig sind, wird insbesondere durch die Tatsache erhärtet, dass es in der Neuzeit und insbesondere in den beiden letzten Jahrhunderten eine Menge ähnlicher Ereignisse gibt, die durch strenge kirchliche Überprüfungen gesichert sind. Theologen, die die Wunder wegdeuten, machen in der Regel um diese neuzeitlichen Wunder herum einen Bogen wie die Katze um den heißen Brei. Trutwin und seine Mitautoren reagieren demgegenüber noch etwas plumper. Bei ihnen erscheint einmal Lourdes und die dortige Quelle, der man, wie es wörtlich heißt, „heilende Wirkungen zuschreibt“ (II, 197). Doch diese Aussage ist vollkommen verfehlt. Das Wasser von Lourdes ist hundertmal untersucht und als gewöhnliches Wasser ohne heilende Wirkungen erwiesen. Die Heilungen aber geschehen teils unter dem zeichenhaften Gebrauch des Wassers, teils völlig unabhängig davon. Zur Aussage über Lourdes bei Trutwin ist noch deren Kontext zu benennen. Sie steht in einem Witz von Tünnes und Schäl: ein Zeichen, wie ernst die Autoren das Thema nehmen.

Als Beispiel eines „alltäglichen Ereignisses“, das ein „Wunder“ sein soll, führt das Buch den brennenden Dornbusch des Mose an (I, 55.60). Eine solche Irreführung wird dadurch ermöglicht, dass der Text des Buches nur vom Brennen des Dornbuschs spricht, den entscheidenden Zusatz der biblischen Erzählung jedoch unterschlägt, nämlich die Aussage, dass er dabei nicht verbrannte. Das ist schändlicher Betrug und Verdummung der Kinder und anderer Leser. Doch der Lehrbuchkommission was es offenbar recht (oder hat es dort niemand gelesen?) – und die Bischöfe haben es zugelassen.

Nachdem ich mir damals die beiden genannten Lehrbücher und dazu noch ein drittes, „Exodus“ betiteltes, angesehen hatte, habe ich darüber ein Gutachten erstellt und es meinem Chef, dem für Glaubensfragen zuständigen Weihbischof und Bischofsvikar übergeben. Er meinte dazu, wir seien in dieser Sache innerhalb der Diözese gar nicht zuständig, da die Lehrbuchkommission von der Bischofskonferenz abhinge. Aber er hat das Gutachten an einen bischöflichen Mitbruder weitergeleitet, der innerhalb der Konferenz für derartige Fragen besonders zuständig war, und nachdem von dorther lange Zeit hindurch keine Antwort gekommen war, eine Kopie davon an einen anderen, ebenfalls besonders zuständigen Bischof.

Als nach Monaten wieder keine Antwort erfolgt war, erklärte ich meinem Chef, ich würde jetzt den Text des Gutachtens überarbeiten, leicht ergänzen und dann in eigener Verantwortung unter meinem Namen veröffentlichen. Er verhielt sich dazu wohlwollend neutral, und der Text erschien im Frühjahr 1989 als Broschüre unter dem Titel „Verfälschung des Glaubens. Was derzeit alles in Religionsbüchern steht“. Am Ende der Broschüre rief ich zur Bildung eines Arbeitskreises auf, der die von mir begonnene Arbeit der kritischen Bewertung von Religionsbüchern und ähnlichen Materialien fortführen würde.

Die Reaktion auf die Veröffentlichung war heftig: Beschimpfungen und Drohungen, nicht nur mit kirchlichen Maßnahmen, wie die Gesprächspartner oder Briefschreiber sie herbeiwünschten – einer drohte sogar, völlig gegenstandslos, mit einer Klage „vor dem Kadi“, wie er wörtlich schrieb.

Aber der Arbeitskreis kam zustande. Ende 1989 erfolgte die Gründungssitzung mit ca. 25 Personen, Anfang 1990 die Registrierung als e. V. Seither konnten wir uns – mitunter nur mit Mühe und Not, durchgehend jedoch mit Gottes Hilfe – sowohl geistig als auch materiell und technisch über Wasser halten. Meine Broschüre von 1989 mit eingeschlossen, haben wir Stellungnahmen zu insgesamt 16 schulischen Religionsbüchern herausgebracht, ferner zu 8 Erstkommunion- und Beichtkursen, 6 Firmkursen, 5 Materialien und Initiativen zum Bereich Sexualität und Lebensschutz sowie 7 zu Themen unterschiedlicher Art.

Beispiele von Stellungnahmen aus neuerer Zeit

Wie gut es war, dass wir auch die Schriften zur Sakramentenvorbereitung mit einbezogen haben, beweist u. a. ein weit verbreitetes Machwerk aus diesem Bereich, auf das wir dabei gestoßen sind: Frank Reintgen und Klaus Vellguth, Menschen – Leben – Träume. Der Firmkurs, 2001 erschienen, von uns 2002 bewertet, Anfang 2009 in Neuausgabe erschienen. In der Erstausgabe haben wir festgestellt: wiederholte Gotteslästerung, Zurückweisung jeglicher Offenbarung, Gleichstellung aller Religionen, Plädoyer für eine neue Kirche, die nicht katholisch, sondern kreativ-revolutionär sein soll; Verhöhnung u. a. der Jungfrauengeburt, der Beichte, der christlichen Morallehre, vor allem der Sexualmoral; Empfehlung der Onanie und des Kondoms; Anleitung zur Unbußfertigkeit bis zum Tod, mit einem Text, der den letzten Tag im Leben mit Haschisch-Rauchen und Geschlechtsverkehr mit dem „Freund“ angefüllt sieht (11); und schließlich die Hinführung zur satanischen Sünde der Selbstvergötterung, mit der eingerahmten Aussage: „Ich sah meinen Gott mit dem Auge des Herzens. Ich fragte: ‚Wer bist du?‘ Er antwortete: ‚Du selbst!‘“ (36). (S. unsere Stellungnahme 3.05).

Dass das Erscheinen, die Verbreitung und die Benutzung eines solchen Buches möglich war, ohne einen Sturm der Entrüstung und des Widerstandes auszulösen, und dass unentwegt weiter Jugendliche gefirmt werden, die mit Hilfe des Buches vorbereitet wurden, beweist, wie weit das Wirken Satans und die Zersetzung der Kirche in unserem Sprachbereich fortgeschritten ist. Auf eine etwas andere Weise wird dieselbe finstere Macht in einigen schulischen Religionsbüchern greifbar. In „Religion vernetzt“, für die Jahrgänge 5-10 an Gymnasien, 2004-2008 von Hans Mendl und Markus Schiefer Ferrari herausgegeben, wird die Paradiesesschlange – die aufgrund von Offenbarung 12 für die gesamte christliche Tradition ein Symbol des Teufels ist – mit einem feministischen Gedicht umgedeutet, so dass sie „Heilkraft der Göttin“ verkörpern soll (Jg. 8, 23). Besessenheit wird grundsätzlich als psychische Krankheit erklärt, „böse Geister“ oder „Dämonen“ werden zwischen Anführungszeichen gesetzt und deren Existenz damit bestritten (5, 93), die gesamte kirchliche Lehre zu dieser Frage unterschlagen. Aber: wo von der Esoterik die Rede ist, wird diese gegen eine Pauschalkritik in Schutz genommen – und vom Okkultismus heißt es, dass dieser „mit der Existenz von Geistern“ rechne und dass lediglich manche der okkulten Phänomene sich wissenschaftlich erklären ließen (8, 110). Mit anderen Worten: Man lässt offen, ob bei spiritistischen Sitzungen mitunter wirklich Geister herbeigerufen werden können. Das heißt aber: Teufel und Dämonen, wie die Kirche sie sieht: Geister, die Gott unterworfen und durch ihre Auflehnung gegen ihn im Zustand der Verdammnis sind, werden geleugnet, freischwebende Geister dagegen, die man herbeirufen oder herbeimanipulieren kann, gelten als denkbar. Dadurch werden die Schüler dem grassierenden Okkultismus und damit dem Betrug, der psychischen Zerrüttung und – wenn denn einmal „etwas dran“ sein sollte – dem höllischen Bösen in die Hände getrieben. Denn wenn sich wirklich da einmal ein Geist melden sollte, dann ist es eben nicht die nette, kürzlich verstorbene Oma aus einem neutralen Jenseits, das es nicht gibt, sondern einer der Geister von der falschen Seite.

Wer die Dinge so darstellt wie dieses Buch und dabei nicht einmal eine Warnung vor dem Satanismus ausspricht, der trägt zumindest durch Fahrlässigkeit dazu bei, dem Letzteren noch weitere Opfer zuzuführen. Dass sich schon sehr viele in seinen Klauen befinden, geht aus der Tatsache hervor, dass satanistische Literatur und Musik längst als salonfähig gelten und massenhaft selbst von kircheneigenen oder kirchennahen Geschäften und Buchhandelsketten vermarktet werden. Sie sind voll von den widerlichsten Gotteslästerungen und den grausamsten Aufrufen zur qualvollen Tötung von Menschen. Von daher können Amokläufer ihre Wahnvorstellungen und ihre krankhaften Motivationen beziehen. Religionsbücher, die Esoterik und Spiritismus teilweise gelten lassen, helfen den sanften Weg dahin zu bahnen.

Den Gipfel der Verwerflichkeit bedeutet auch ein Großteil der übrigen Morallehre desselben Buches. Die Pflicht des Gehorsams kommt nicht vor, im Gegenteil wird mehrfach aufgewiegelt, z. B. mit Bert Brecht gegen die Rede von der Allwissenheit Gottes, das Helfen zu Hause, die Achtung vor dem Alter, ja sogar gegen die Regel, dass man über ein Gebrechen nicht lacht. Unabhängig von Brecht geschieht Aufwiegelung gegen die Forderung von Disziplin und Konzentration sowie gegen langweilige Schulstunden – wie kollegial gegenüber den anderen Lehrern, und welcher Bumerang für den Religionslehrer selbst!

Zur Abtreibung wird ein päpstlicher Text zitiert, der diese in einem kurzen Satzteil verurteilt – aber es fällt kein Wort zugunsten dieser Lehre. Die Schüler werden im Gegenteil aufgefordert, Experten einerlei welcher weltanschaulichen Ausrichtung zum Reden über das Thema in den Unterricht einzuladen.

Gleichzeitig wird die verhängnisvolle Frühsexualisierung betont gefördert und mit einem Beitrag aus der Süddeutschen Zeitung die von dieser so genannte „Keuschheitsbewegung aus den USA“ lächerlich gemacht.

In dem erwähnten päpstlichen Text kommt auch die Ablehnung der homosexuellen Praxis zum Ausdruck. Aber die Autoren schicken diesem Text den Hinweis voraus, dass dessen Aussagen „in der modernen Gesellschaft umstritten“ seien. Anschließend an denselben Text erklären sie wertneutral, was Homosexualität und Bisexualität ist – und dies unter einem Bild, das die homosexuelle Umarmung feiert und die Aufschrift „Geborgenheit“ trägt.

Zur praktischen Einübung werden die Schüler aufgefordert, einen Liebesbrief Adams an Eva zu redigieren und vorzulesen – und ein andermal, Paare zu bilden und einander innerhalb der Religionsstunde sexuell anzumachen, wobei sie ihrer „Kreativität freien Lauf“ lassen sollten. Aufgrund der Zahlenverhältnisse ergeben sich dabei notgedrungen auch gleichgeschlechtliche Paare – was den Autoren angesichts des oben Gesagten nur recht zu sein scheint. (S. unsere Stellungnahme 1.15).

Seit kurzem auch Handreichungen

Außer den Stellungnahmen sind wir seit zwei Jahren dazu gekommen, auch Handreichungen zu einzelnen Themen zu veröffentlichen – zu Themen, die in Religionsbüchern immer wieder mangelhaft und fehlerhaft dargestellt werden. Diese Hefte sind in erster Linie für die Verfasser von Religionsbüchern und ähnlichen Materialien gedacht, weil wir darin immer wieder auf irrige Angaben nicht nur ideologisch bedingter, sondern auch rein sachlicher Art stoßen; und weil wir das Fehlen von Angaben feststellen, die vom Thema her erforderlich wären. Darüber hinaus, so hoffen wir, können solche Handreichungen auch all denen dienlich sein, die sich über die betreffenden Fragen in Kürze ein fundiertes Bild machen wollen, z. B. um sinnvoll mit Kollegen, Kindern oder Enkelkindern darüber reden zu können. Bisher sind zwei derartige Handreichungen erschienen, zu den Themen Islam und Christentum sowie zur Bedeutung und Gestaltung des Kirchenraumes. Für die nächste Zeit angedacht sind: Evolution und Schöpfung; nichtchristliche Religionen; Evangelisch/katholisch: Gemeinsamkeiten – Unterschiede – Schritte zur Einheit.

Für meine eigenen Buchveröffentlichungen habe ich seit Gründung des ATK Themen gewählt, die Schwerpunkte von Religionsbüchern und gemeindekatechetischen Schriften darstellen oder darstellen müssten: das Thema Wunder, 1995; Thema Hölle, 2002; Thema Sakramentenpastoral, 2007 (s. www.f-reckinger.de).

Arbeitsweise und Wirken des ATK

Unsere Veröffentlichungen bringen wir unter anderem durch das Medium Internet an den Mann und an die Frau. Seitdem unsere Homepage nach neuestem Standard eingerichtet ist, verzeichnen wir eine Besucherzahl von durchschnittlich 60 pro Tag.

Die übrigen Medien verfolgen die Taktik des „konzertierten Totschweigens“. Ganz am Anfang jedenfalls verriet mir ein führender Vertreter des religionspädagogischen Establishments in einem Bischöflichen Ordinariat, dass es damals so gehandhabt wurde. Auf meinen Hinweis, der gegebene Ort für den inhaltlichen Widerspruch gegen meine Broschüre von 1989 seien nicht Briefe, Anrufe oder gar der Versuch von Vorladungen, sondern die theologische Publizistik, antwortete er: „Aber was denken Sie? Die Rezensenten stehen längst bereit und haben die Feder gespitzt. Doch wir halten sie zurück!“

Noch nie hat es eine Veröffentlichung gegeben, die sich Stellungnahmen von uns vorgeknöpft und versucht hätte, Punkt für Punkt nachzuweisen, dass wir entweder falsch zitiert oder falsch verstanden hätten – oder dass die von uns monierten Aussagen zwar tatsächlich im Text stünden, jedoch entgegen unserer Ansicht sehr wohl der Lehre unserer Kirche entsprechen würden. Ungefähr dasselbe ist hinsichtlich meiner eigenen Veröffentlichungen der Fall.

In der Regel schreiben wir jedes Jahr alle deutschen Bischöfe und Generalvikare an und senden ihnen unsere jeweils neuen Stellungnahmen zu. Die Reaktionen darauf sind minimal. Erreicht haben wir in dieser Hinsicht als sichtbares Ergebnis nur eines, nämlich dass die Angeschriebenen nicht werden behaupten können, sie hätten „nichts gewusst“ von den Ungeheuerlichkeiten, die in zugelassenen Schulbüchern und weithin benutzten Sakramentenvorbereitungsbüchern stehen.

Außerdem haben wir unsere Stellungnahmen meist auch den entsprechenden Verlagen zugehen lassen, und über diese haben sie wohl auch vielfach die Autoren erreicht. Von deren Seite ist einmal eine nichtssagende Reaktion gekommen – ein anderes Mal dagegen eine so gute und positive Reaktion, wie wir es uns nie hätten träumen lassen. Es handelt sich dabei um den prominentesten Autor eines Religionsbuchs, den Gastgeber unseres heutigen Treffens, Herrn Weihbischof Laun.

Nach Erscheinen seines vierten Bandes in 2003 haben wir die vier ersten Bände insgesamt „sehr positiv“ bewertet, als, so wörtlich: „… das beste Religionsbuch seit Jahrzehnten“. Dennoch haben wir diese Bewertung mit den Zusatz versehen: „mit Korrekturhinweisen in Einzelpunkten“. In seiner Antwort gab der Herr Weihbischof uns hinsichtlich dieser Hinweise ganz schlicht Recht. Er kündigte an, bei einer Neuauflage der fünf Bände unseren Ausführungen Rechnung zu tragen, und fragte uns, ob er uns die Manuskripte der nachfolgenden Bände vor der Drucklegung zur Begutachtung zusenden dürfte. Wir sagten zu – und damit war meine Freizeitbeschäftigung auf Monate hin gesichert.

Das „sehr positiv“ in unserer Bewertung bezieht sich auf die Gesamtausrichtung des Buches, das eine umfassende Einführung in den katholischen Glauben in Familie, Schule und Gemeinde anstrebt und sich dabei entschieden nach der Lehre der Kirche ausrichtet, ohne dafür etwa bei der Theologie von ca. 1930 stehen zu bleiben. Uns gefiel die ansprechende, zeitgemäße Aufmachung und Bebilderung, die den Zielgruppen entsprechende Art der Vermittlung, in einer Sprache von heute, die kindgerecht und jugendgerecht erscheint, ohne ins Triviale und Vulgäre abzugleiten.

Dafür sind wir sehr dankbar, denn wir sind als ATK auf der Suche nach guten Büchern, die wir empfehlen und fördern können, und wir möchten keineswegs als Nörgler erscheinen, die immer nur zu kritisieren haben.

 

Eine von der Redaktion leicht gekürzte Fassung dieses Vortrags ist in Kirche heute 17, 1/2010, S. 20-23 erschienen.

 

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© F. Reckinger